Waldbauernvereinigung Coburger Land e.V.
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Baum des Jahres 2021 - Stechpalme (Ilex aquifolium)

 

Der diesjährige Baum des Jahres ist die Stechpalme.

Foto: Wikipedia
Wappen Hülsede

Wenn es diese Stiftung nicht schon gäbe, müsste man sie ins Leben rufen: Die Stiftung „Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung“. Sie trägt den Namen des 2018 verstorbenen Silvius Wodarz, der als Forstbeamter und Umweltschützer aktiv war, die enge Beziehung von Mensch und Natur pflegte, 2006 das Projekt „Bäume des Friedens“ initiierte und seit 1989 dafür sorgte, dass ein Gremium eine Baumart zum „Baum des Jahres“ kürte. Das Motto von Dr. Wodarz lautete: „Man muss Bäume nicht neu erfinden, man muss sie nur neu entdecken!“

 

Und so wurde die Europäische Stechpalme, botanischer Name Ilex aquifolium L., für das Jahr 2021 als Baum des Jahres „entdeckt“. Eine interessante Baumart, die schön ist und mit zahlreichen Namen, Bräuchen und Geschichten in Verbindung gebracht werden kann.

 

Die Europäische Stechpalme ist die einzige in Mitteleuropa heimische Pflanzenart der Gattung der Stechpalmen, die zur Familie der Stechpalmengewächse gehört. Die immergrüne Pflanze wächst sowohl strauchförmig als auch als Baum und erreicht dann Höhen von 10 bis 15 Meter. Ob aus der Stechpalme ein Strauch oder Baum wird, ist abhängig vom Licht: je mehr Licht ihr zum Wachstum zur Verfügung steht, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Stamm mit einer kegelförmigen, stark verzweigten Krone ausbildet. Wächst sie als Baum, kann die Stechpalme Stammdurchmesser bis 150 cm erreichen. Ilex ist auch langlebig und erreicht ein Alter bis 300 Jahre.

 

Die wechselständig angeordneten Blätter haben eine ledrige Beschaffenheit, sind in der Grundform oval und auf der Oberseite glänzend-grün, während sie auf der Unterseite gelbgrün gefärbt sind. Interessant ist die unterschiedliche Ausformung des Blattrandes: Während Blätter im unteren Bereich der Pflanze mit Stacheln versehen sind, die abwechselnd nach oben und nach unten gerichtet sind, weisen Blätter im oberen Bereich wenige und manchmal sogar nur noch angedeutete oder gar keine Stacheln mehr auf. Die Stacheln schützen die Stechpalme jedoch nicht wirksam vor Verbiss: Das Rehwild nimmt die Blätter vor allem im Winter gerne als Äsung auf, der Verdauungsapparat der Wiederkäuer hat sich auf das Unschädlichmachen der im Blattinneren enthaltenen Giftstoffe eingerichtet.

 

Die Stechpalme kommt am besten in Gegenden mit milden Wintern und nicht zu trockenen Sommern vor. Sie bevorzugt nährstoffreiche, kalkarme Standorte mit sowohl lockeren wie auch lehmig-steinigen Böden. Da sie mit Schatten gut zurechtkommt, ist sie sowohl Bestandteil von Buchen- oder Buchen-Tannen-Wäldern wie auch von Eichen-Hainbuchen-Wäldern oder, da sie Trockenheit gut verträgt, auch Eichen-Birken-Wäldern.

 

Die Stechpalme begleitet die Kultur der Menschen schon sehr lange, weshalb sich auch viele regionale Namen für diese Baumart herausgebildet haben: Man nennt sie Hülse oder Hölse, Hulstbaum, Walddistel, Stecheiche, Christusdorn, Schradl oder Schradlbaum. Interessant ist der altbayerische Name Wàxlàwà, was so viel wie Wachs- oder Scharf-Laub(er) bedeutet. Viele Ortsnamen wie Hülsede, Hüls, Hüllhorst oder Hülscheid gehen auf den Namen der Stechpalme zurück. Die Stadt Hüllhorst zeigt die Stechpalme auch in ihrem Wappen. In Familiennamen fand die Stechpalme ebenfalls ihren Niederschlag, wie bei Hüls, Hülsmeyer, Hülsmann oder, als bekanntestes Beispiel, bei der Schriftstellerin und Komponistin Annette von Droste-Hülshoff.

 

In der Heraldik steht die Stechpalme als Symbol für Wahrheit. Das kräftige Grün der Blätter, das besonders während des Winterhalbjahres in unserer Natur besonders auffällt, und die leuchtend roten Beeren verkörpern in unserem Kulturkreis die Farben der Hoffnung und der Liebe, im Christentum stehen sie für Leben und Blut. Am Palmsonntag wurden Zweige von Stechpalmen und anderen, bereits zu dieser Zeit grünen Pflanzen, geweiht. In Großbritannien und dem angloamerikanischen Kulturkreis findet die Stechpalme Verwendung als Weihnachtsschmuck.

 

Die Symbolik der Stechpalme ist unterschiedlich. Die Druiden glaubten daran, dass Ilex-Zweige böse Geister abwehren, weshalb diese an Hauseingänge gehängt wurden. Ihre Schutzbedeutung erhielt sie in unsicheren Zeiten auch als Rückzugsort von Familien in Kriegszeiten: In Gegenden mit hoher Luftfeuchtigkeit bildet Ilex dichte und undurchdringliche Gestrüppe aus, die als Versteck und Rückzugsort der bedrängten Bevölkerung dienten. Dass die Blätter im unteren Bereich stachelbewehrt sind und die Pflanze schützen, während die Blätter im oberen Bereich keine Stacheln aufweisen, steht als Symbol für weise Voraussicht. Und auch in der neueren Literatur hat die Stechpalme ihre Bedeutung: In J. J. Tolkiens „Herr der Ringe“ gibt es in Mittelerde das nach ihr benannte Land Hulsten („Hollin“), das frühere Elbenreich Eregion, und die britische Autorin Joanne K. Rowling wollte, dass Harry Potters Zauberstab aus Stechpalmenholz geschnitzt ist.

 

Es lohnt sich durchaus, der Stechpalme mehr Beachtung zu schenken. Und sie besser zu schützen: Während sie in Gärten, Parks und auf Friedhöfen weit verbreitet ist, wird sie in der Natur immer seltener. In Deutschland gehört sie deshalb zu den streng geschützten Arten.

 

Wolfgang Weiß

 

28.11.2020

 

Quellen:

https://www.baum-des-jahres.de/ueber-uns/

https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/stechpalmen-ilex

https://www.baum-des-jahres.de/stechpalme/

https://de.wikipedia.org/wiki/Stechpalmen

https://www.wappenmalerei-stammbaum.com/stechpalme-heraldik.html

https://www.kortumgesellschaft.de/id-2-heimatbuch-1928-die-huelse-oder-stechpalme.html

https://www.gartenflora.de/gartenwissen/ziergarten/baeume-straeucher-hecken/ilex-stechpalme/#

https://taspo.de/uploads/media/TM_Symbolgehalte.pdf

https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-geschuetzte-pflanzen-stechpalme-vorkommen-1.5105485

http://ardapedia.herr-der-ringe-film.de/index.php/Hulstbaum

Illustration Ilex aquifolium

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